Kuno Kunesch Rezession des Lexikons
von A. K. Holz Ausgestorben -Zufall oder Vorsehung?
„So einförmig und gleichartig die Lebensweise der Fische zu sein scheint,
so wechselvoll und verschieden zeigt sich ihr Treiben bei genauerer Beobachtung“
(Brehm, Leipzig 1924, Bd. VI, S. 517). Auch wenn Brehm hierin keinen
glaubhaften Nachweis der damnatio memoriae unter den Knorpelfischen
anbringen konnte, so sind doch für die meisten von uns diese Worte mehr als
eine Hypothese oder nacktes Zitat, sie sind wohl geformte Erkenntnis.
Denn je mehr sich der Blick auf das Leben der Gesamtheit richtet und die
autochtonen Naturwissenschaften keine klaren Antworten zu geben vermögen,
desto unverrückbarer steigt am Horizont der menschlichen Neugier wie ein praller
Ballon die Frage nach dem Ursprung des Einzelnen auf:
Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Und warum bin ich immer der Letzte?
Unter all den Entdeckungen der Kryptozoologie, welche in den späten Jahren
der Allgemeinen Häme gemacht wurden, bleibt doch die des konvulsivistischen
bustrophedons durch A.K. Holz unvergessen. Sie, die sie zu dieser Zeit als
Assistentin am Lehrstuhl von Prof. Dr. Linsenhoff (1896 - 1986) sägte und
ihre Arbeit schon damals mit mehr als recht zu bemittelten Erfolgen zu
verzeichnen ahnte dort vielleicht noch nicht um ihre Rolle, welche sie in
den Jahrbüchern der Universitäten
spielen sollte. Und sie sollte Recht behalten! Denn bestanden
bis weit ins 20. Jahrhundert die traditionellen Naturwissenschaften
und Methodiken als ein Weg, so begründetet A.K.Holz den anderen,
nach ihr benannten und auf welchem dann auch die althergebrachten
Disziplinen folgten.
Ihre insistierende Beharrlichkeit und der Durchhaltewillen jenseits aller
coordinatio ortografica obsiegten im Ringen um die bisher verborgenen
Zusammenhänge. A.K. Holz wandte sich dann jenen Elementen zu, welche uns die
bekannte Welt in einer Licht- und Schokoladenseite zeigen:
die geographischen, allgültigen, aber nicht polypräsenten Längen- und Breitengrade.
Sie brachten unter sich eine Welt zum Vorschein, die in ihrer Vielfalt weitaus
mannigfaltiger war als das Weihnachtssortiment an Schokolade im Aldi jemals werden
kann. Ein Schluß, der selbst für den kurzsichtigen Pralineesowitcz zu nahe
gelegen hatte, um erkannt zu werden. Die überall gesuchte und alles andere als
intelligible terra incognita war nicht mit dem Schweifen in die Ferne zu entdecken,
allenfalls vor dem hochprozentigen Feingeist konnte das Sublime zart aufgezeichnet
erscheinen.
Aber lassen Sie mich bitteschön wieder auf den Punkt kommen und den Pudel beiseite
lassen, in dessen Kern wir doch gleich ganze Konvolute von Rudimenten wohl
erstmalig auf der Welt nachgewiesenen Spezies finden, welche ob ihrer partiell
bizarren Spezialisierung und Anmassung an ihren Lebensraum eine derartige Seltenheit
sich doch nur unter den beileibe engen, aber in aller Völligkeit vor den Argusaugen
der Schematik verborgen gebliebenen Bereichen hat erhalten lassen können. Danke.
Ob nun das Eine das Andere, oder aber, und vielleicht viel wichtiger für die
derzeitige Forschung, das Andere das Eine bedingte, mag an dieser Stelle dahin sein,
sehr viel beeindruckender sind die Resultate und der Blick auf die zukünftigen
Forschergenerationen, zu welchen eine Äußerung beim momentanen Stand der Dinge aber
in causa rhetorica viel zu weit und in den Topf der hypertrophen Spekulationen
hineingegriffen wären.Darin möchte ich nicht zu arg rühren, aus verständlichen
Gründen.
Und so ende ich hoffentlich, dass diese die Naturwissenschaften aus dem der
Nahbeobachtung unfähigen Zustand entreissende Publikation meine hochvorzügliche
Anerbietung zuteil gelassen wird mit einem Verweis auf die Mitte der 80er Jahre
stattfindende mania simmeliensis schliesslich, welche in ihren Grundzügen besagte,
dass es nicht immer caviar sein muss. Mit Verlaub, es gab doch in der Forschungs-
-geschichte der Naturwissenschaften nur wenige Momente, die einem solchen Trugschluss
deutlicheren Widerspruch entgegenbringen konnten. Eine solche Arbeit ist wahrlich
aber ich sage euch einer davon!
Es muss unbedingterweise Kaviar sein, und Champagner!